Die Galerie Ingeborg Vagt stellt seit nunmehr fast zwanzig Jahren Malerei und Skulpturen vor allem ostdeutscher Künstler aus.
Im Jahr 1991 hat Ingeborg Vagt ihre Galerie in Berlin-Grundewald gegründet. Abgesehen von einem zweijährigen Intermezzo in Galerieräumen in der Bismarckallee (Juli 2001 bis März 2003) hat sie stets ihre Privaträume für diese Aktivitäten genutzt. Doch ob in den Privaträumen oder in der Galerie, eine kontinuierliche Ausstellungstätigkeit ist Ingeborg Vagt wichtig. Mindestens drei bis vier Ausstellungen im Jahr müssen sein. Dazu gehört dann jeweils eine vielbesuchte Eröffnung und nach Möglichkeit noch Lesungen und andere Veranstaltungen während der Laufzeit der Ausstellung.
Mittlerweile ist die Liste der ausgestellten Künstler lang. Dazu gehören bekannte und weniger bekannte Namen: Christa und Lothar Böhme, Wieland Förster, Dieter Goltzsche, Rolf Händler, Hans Vent, Manfred Böttcher. Für letzteren kann sich Ingeborg Vagt besonders begeistern und so widmete sie ihm im Jahr 2003 eine umfangreiche Präsentation, wie sie bis dahin aus unerklärlichen Gründen in Berlin noch nicht zustande gekommen war. Dem Rat Camilla Blechens folgend konzentriert sich die Galeristin auf die Kunst aus Berlin und Dresden.
Die größten Ausstellungen, zu denen auch Kataloge mit kunsthistorischen Begleittexten erschienen sind, fanden außerhalb Berlins statt. So durfte Ingeborg Vagt als erste Galeristin die Wettiner Hauskapelle im Taschenbergpalais in Dresden "bespielen". Unter dem Titel "Zurück zu den Anfängen" präsentierte sie im Jahr 1996 Lothar Böhme, Manfred Böttcher, Wieland Förster, Dieter Goltzsche, Sylvia Hagen, Werner Stötzer und Hans Vent. Also einen repräsentativen Querschnitt durch ihr Programm. Sie sind zwar größtenteils Repräsentanten der Berliner Malerei und Skulptur, haben jedoch wichtige Jahre in Dresden verbracht, wurden dort geboren oder haben dort studiert.
In der städtischen Galerie in Überlingen gab es die Ausstellung "Berlin-Dresden - Kunst vor der Wende und danach". 16 Künstler zeigte Ingeborg Vagt. Zu den in Dresden ausgestellten kamen u.a. Christa Böhme, Otto Niemeyer-Holstein, Stefan Plenkers und Klaus Roenspieß. Jeder Künstler war mit zwei Werken vertreten. Eines aus der Zeit vor dem Mauerfall, eines aus der zeit danach.
Von 300 bis 25.000 Euro reicht das Preisspektrum des Angebots, fast ausschließlich Kunst aus der ehemaligen DDR und überwiegend Malerei. Als Ingeborg Vagt Ende der Achtziger aus Frankfurt nach Berlin kam, war die DDR-Kunst für sie bei ihren ausgedehnten Museums- und Galeriebesuchen eine Entdeckung. Besonders eine Ausstellung im Ephraim-Palais hatte es ihr angetan und so suchte sie den direkten Kontakt zum Künstler. Aus dem ersten Interesse wurde schnell mehr, aus dem Besuchen und Anschauen eine eigene Galerie.
Zu den Besuchern, die sich zum erheblichen Teil aus dem großen Freundeskreis zusammenfinden, gehören schon Prominente wie A. R. Penck und Robert Wilson. Salonkultur in Wilmersdorf. Überhaupt versucht die Galeristin weniger anonym zu arbeiten als manch anderer Kunsthändler oder Galerist. Probeausleihen etwa zum Hängen in den eigenen Räumen oder Kennenlernen der Kunstwerke ist bei ihr kein Problem.
Abseits der großen Kunstpfade zeigt Ingeborg Vagt, dass man - natürlich mit dem nötigen Fundament - auch mit privatem Engagement einen beachtlichen Ausstellungsbetrieb organisieren kann. Vielen ansonsten kunstfremden Käufern, so scheint es, bietet die Kunst der ehemaligen DDR, präsentiert im entsprechenden Ambiente, durchaus den passenden Einstieg in die Welt der zeitgenössischen Kunst.
Sebastian Schwarzenberger: Der stille Osten, artery Kunstführer, November/Dezember 2003